Frankreich

Wer die Enge seiner Heimat ermessen will, reise. Wer die Enge seiner Zeit ermessen will, studiere Geschichte.Tucholsky(1)

In Frankreich gibt es die allgemeine Schulpflicht (2), dennoch soll schätzungsweise die Anzahl der sogenannten non-scolarisation Kinder ca 30,000 (3) erreicht haben. Diese Kinder besuchen keine reguläre Schule, sondern lernen u. a. bei Ihren Eltern zu Hause. Die Eltern sind allerdings meldepflichtig und die Stadt hat die Aufsichtspflicht, um die mentale, körperliche wie auch schulische Entwicklung des Kindes regelmäßig zu kontrollieren.

Die epochalen Herausforderungen stellen sich Frankreich wie Deutschland frontal. In Frankreich war nicht erst PISA und ihre Ergebnisse ausschlaggebend, sondern die Bildungsfrage war immer eine zentrale sensible politische Frage, an der viele Minister und Regierungen versagt oder gescheitert gewesen sind, dennoch hat die Bildungsfrage ihre Rolle in der Innenpolitik Frankreichs gespielt. Momentan erleben wir diese historische Verspätung Deutschlands von ca. 30 Jahren. Es ist bewusst und bekannt, dass das französische Schulsystem an einiges mangelt, aber das verhindert nicht von anderen zu lernen.

Die Form der Schule ist die sogenannte Ganztagsschule, kein Synonym existiert dafür auf Französisch. Denn die Ganztagsschule und die Schule heißen gleich école, in der eine warme Malzeit angeboten wird. Die Kosten tragen i. d. R. die Eltern, es sei denn, wenn eine Familie einkommensschwach ist.

Das französische Schulsystem hat ausgeprägte Eigenschaften, die sich ohne eine historische Betrachtungsweise nicht verstehen lassen. Das Schulwesen wird immer zentral in Paris gesteuert. Dieser Zentralismus begleitet von der Einheitlichkeit ist auf die Französische Revolution zurückzuführen. In der republikanischen Idee liegt die Chancengleichheit zugrunde. Um dieses Prinzip zu gewährleisten, hat man die Schulen zentral und einheitlich koordiniert und der Staat in Paris ist der einzige endgültige Träger des Bildungssystems. Alles wird vom Staat geregelt: Lehrplan, Prüfungen, Schul- und Lehrkriterien. Aus dieser Tatsache heraus ist der Staat zu seiner Neutralität verpflichtet, deswegen ist der Laizismus des Schulwesens eine weitere Eigenschaft, die in Deutschland nicht vorhanden ist, und in vielen politischen Diskursen uns zu einer dynamischen und gefährlichen Diskrepanz führen kann. (4) Es gibt natürlich auch private Schule, die weiterhin unter der staatlichen Aufsicht stehen und in der Regel katholisch sind. Hier dürfen die französischen Privatschulen nicht wie eine private Schule in Deutschland gleich gesehen werden, mindestens bekommt eine Privatschule in Frankreich nicht einfach staatliche Zuschüsse.

Der Unterricht umfasst in der Regel die Zeit zwischen 8:00 bis 17:00 Uhr und zusätzlich die Grundschulkinder haben weitere Betreuungsmöglichkeiten. Der “Kindergarten” wird in Frankreich dem Schulwesen zugeordnet, École maternelle ist die Vorschule für die Kinder zwischen 2 ½ bis 6 Jahre alt. Diese pädagogische Institution ist staatlich und unterliegt den staatlichen Vorgaben, wie etwa Curriculum. Der Besuch von école maternelle ist keine Pflicht aber die meisten schicken ihre Kinder hin und ist kostenfrei. Ècole maternelle darf nicht mit dem deutschen Kindergarten verwechselt oder gleich gesetzt werden. Diese Eigenschaft prägt das französische Schulwesen so aus, dass école maternelle ein Bestandteil der Schule und ganztätig ist und keineswegs den Charakter eines Kindergartens hat. Die Qualifikation der Lehrer ist dieselbe wie in der Grundschule. Dort herrscht die Vorschule, hier in Deutschland ist die Betreuung. In école maternelle beginnt die Sozialisation des Kindes im Gemeinwesen. Es gibt keine Debatte über die Ganztagsschule in Frankreich wie in Deutschland, da sie die Norm ist, dafür gibt es andere Diskussionen, die aus der deutschen Sicht interessant sind, auf welche in diesem Aufsatz gelegentlich hingewiesen wird. Der vorbereitende Charakter der école maternelle erleichtert die Schulzeit der Kinder in den ersten Jahren, wie etwa in der Grundschule. Die Kinder in Frankreich bekommen mehr Unterrichtsstunden als in Deutschland, eine Relation von ca 940 zu 560 Stunden. Ob diese Vorbreitungsmaßnahme in ècole maternelle ihre gewünschte Wirkungen überall zeigt, ist in Frankreich ein Forschungsthema.

Von der Grundschule beginnt die Schulpflicht in Frankreich. école primaire dauert 5 Jahre, von 6-11 Jahre alt und ist in drei Schuljahren unterteilt: CP (cours préparatoire), CE1 und 2 (cours élémentaire 1, 2), CM1 und 2 (cours moyen 1, 2). In CP lernen die Kinder schon Lesen, Schreiben und Rechnen mit Noten. Die Noten in Frankreich sind von 0 bis 10. Der Unterricht beginnt um 8:30 Uhr bis 11:30, dann bis 13:30 Uhr Mittagspause, dann bis 16:30. Die Kinder haben die Möglichkeit bis 17:45 die Hausaufgaben mit Unterstützung der Lehrkräfte zu erledigen. Seit 1991 ist die Schulzeit von école maternelle bis zum Ende école primaire in drei Zyklen unterteilt. Die ersten beiden Zyklen gehören école maternelle und der dritte Zyklus ist cycle approfondissements.

Nach der Grundschule beginnt für alle Schüler eine vierjährige Schule, also collège. In collège lernen die Kinder bzw. Jugendliche Französisch, Mathe, zwei Fremdsprachen, Geschichte- Geographie-Gemeinschaftskunde, SVT (gleicht etwa Biologie mit Geologie, Science de la vie et de la terre), Physik, Chemie, Technik, Kunst, Musik und Sport. Zusätzlich ist möglich Latein oder Griechisch zu erlernen. Collège wird mit einer landesweiten Prüfung mit Zeugnis, diplôme national du brevet abgeschlossen. Damit ist die Sekundarstufe I abgeschlossen.

Das französische Gymnasium ist dreijährige Lycée. Hier unterscheiden sich zwei gymnasiale Orientierung: lycées d’enseignement général et technologiques und lycées d’enseignement professionnel , erste ist das allgemeine und technische Gymnasium und das zweite ist berufsbildendes. I. d. R. befinden sich beide in derselben Schule Lycée polyvalent. Das 10. Schuljahr seconde ist für alle allgemein. Dann entscheiden sich die Schüler für Première oder Terminale. Das französische Abitur baccalauréat hat drei Fächer oder série, L (littéraire), ES (économique et sociale) und S (scientifique).Die Pflichtfächer der einzelnen série sind für S: Mathematik, Physik-Chemie, SVT (Sciences de la vie et de la terre) oder SI (Ingenieurswissenschaften), für ES: Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Naturwissenschaft, für L: Literatur, Naturwissenschaft. Zwingend sind für alle Schüler Französisch und Literatur (Seconde und Première), Philosophie (Terminale), Geschichte, Geographie und Staatsbürgerkunde, erste Fremdsprache, zweite Fremdsprache (oder Latein für L), Mathematik (für L: Mathematik und Informatik), Sport, enseignement scientifique (Biologie und Physik/Chemie), TPE (Travaux personnels encadrés, eine Art Referat) Alle Schüller müssen zusätzlich zweites Fach wählen.

Im Abitur (Baccalauréat), um das Gymnasium zu absolvieren, werden zwölf Fächer geprüft. Das Abitur wird landesweit, am gleichen Termin und zentral und anonym koordiniert durchgeführt. Die Abiturnoten bestehen nur aus den Noten dieser finalen Prüfungen.

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Schaubild des französischen Schulsystems

CAP: Certificat d’Aptitude Professionnelle

BEP: Brevet d’Etudes Professionnelles

Renaissance des Französischen Abiturs!

Die wesentliche politische Bildungsfrage geht es um Selektion oder Integration. Strukturell folgt das französische Schulsystem einem integrativen Konzept. In Deutschland existiert primär ein selektives Konzept, d. h. die Wege der Schüler nach der Grundschule nach ihren vermeintlichen Fähigkeiten in ein Dreisäulesystem (Haupt-Realschule und Gymnasium) voneinander zu trennen.

Die französische Regierung hat eine „Revolution“ im Bildungswesen angekündigt. Nach den Angaben der Regierung soll die Reform sukzessive ab dem Schuljahr 2010 umgesetzt werden, Seconde (10. Klasse) dann 2011 die Première (11. Klasse) und 2012 die Terminale (12. Klasse). Die Elemente dieser Reform sollen die kontinuierliche Spezialisierung der Schüler in ihren Fächern, die individualisierte Betreuung, bessere Kenntnisse für Fremdsprachen, tiefere künstlerische und kulturelle Bildung und Unterstützung der Entwicklung der selbstständigen Arbeiten der Schüler. Wieweit diese Reform tatsächlich ihre Ziele erreichen wird, ist noch offen. Aber diese Reform wurde bereits nach massiven Protesten der Schüler schon einmal verschoben! Natürlich spielen Sarkozy und seine politische Pläne ihre spezielle Rolle. Diese Reform hat auch ihre positive Seiten, z. B. der Fachwechsel soll möglich werden, ohne Zeitverlust, ohne ein Schüler ein Jahr wiederholen muss. Die französische Regierung will in dieser Reform alle Zweige im Schulwesen für die Schüler attraktiv machen, wie etwa geisteswissenschaftliche Zweige, Ingenieurausbildung, …etc. Der Staatschef Sarkozy verspricht “einiges”, die Auflistung der Regierungspläne Sarkozys ist dem Staatschef und seiner Regierung überlassen.

Die französische Bildungspolitik hat sich nach der Recherche Charlotte Lauers (5) zwei Ziele gesetzt: „’Demokratisierung’ des Bildungswesens, die sowohl quantitative (Bildungsexpansion) als auch qualitative Aspekte (Verwirklichung der sozialen Chancengleichheit) beinhaltet, zum anderen soll das Bildungswesen an die Bedürfnisse einer modernen Wirtschaft angepasst werden.“ Die logischen Konsequenzen dieser Demokratisierung wären die „Anhebung des durchschnittliches Bildungsniveaus“ und auch „soziale Chancengleichheit und die Bekämpfung des Schulversagens“. Der Grund des Schulversagens in Frankreich und des hohen Ausmaß liegen in der „Heterogenität der Schülerschaft“, die sich wiederum von der „massive Ausweitung der Schülerzahlen“ herauskristallisieren. Lauer zufolge: „Die Bekämpfung des Schulversagens ist inzwischen vorrangiges Ziel der Bildungspolitik, zumal Schulen in manchen Stadtteilen oder Vorstädten zu sozialen Brennpunkten geworden sind. Die Zuordnung der Schüler in die Schulen nach dem Wohnsitzprinzip verstärkt das Problem im Kontext einer starken städtischen Segregation.“ Im Zuge der Demokratisierung des Schulwesens wurde die Freiheit der Schulauswahl mit carte scolaire anfangs 60er Jahren eingeschränkt.

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Wir unterscheiden uns, nicht nur im Äußeren

Im französischen Schulsystem sollen die Schüler individueller betreut werden. Die Betreuung soll in der Schule ohne Erhöhung der Schulstunden orientiert auf die Schwäche der Schüler durchgeführt werden. Zu dem soll auch die intensive Förderung der Fremdsprachen kommen. Lycées müssen für die Fremdsprachen in Pflicht gezogen werden, so laut Staatschef. Objektiv kann man geringe Kenntnisse der Fremdsprachen in den französischen Schulen feststellen, was natürlich unmittelbar mit dem Schulsystem zu tun hat.

Eins ist klar, dass man große Mängel in bezug auf die Arbeitswelt und Hochschulen im System von Lycée unterstreichen kann. Mit der wachsenden Arbeitslosigkeit ist die Nachfrage nach den qualitativ immer besser werdenden Bildungswegen größer geworden. Die Wirtschaft und Industrie suchen sich die qualifizierten Arbeitskräfte. Hier spielt die Herkunft der Kinder und der Jungendlichen große Rolle. Die Verknüpfung zwischen der Bildungspolitik und dem Arbeitsmarkt wird hier sehr plausibel. Frankreich wie Deutschland sind mit einer globalisierten Welt konfrontiert, welche einst Industriegesellschaften bildeten und heute Dienst- und Leistungsgesellschaften geworden sind, dazu kommen weitere Attribute wie etwa Informationsgesellschaft, EU-Zugehörigkeit und Finanzkrise, …

Frankreich hat auf die politischen Herausforderungen in der Bildungsfrage mehrfach geantwortet. In diesem Aufsatz werden die wichtigsten politischen Reaktionen des Staates dargestellt. Der französische Staat hat das Budget und den Bildungsetat drastisch erhöht. Aufgrund der zentralen Steuerung des Schulwesens in Frankreich wird versucht, die Befugnisse der Regionen zu erweitern. Anfangs 80er Jahre gab es schon politische Versuche, das Land zu dezentralisieren. Im Zuge dessen wollte man das Bildungswesen auch von Paris zu „befreien“. Bai aller Reform steht der Staat über allen regionalen Entscheidungen.

Die Problematik des Bildungswesen zu priorisieren, griff der Staat anfangs der 80er Jahre nach dem ZEP-Maßnahmen (Zones d’Education Prioritaire). Ein gravierendes Problem, was auch in Deutschland bekannt ist, ist, dass die Kinder nach der Grundschule immer noch nicht richtig lesen, schreiben und / oder rechnen können. Nach der ZEP sollen die sozial benachteiligten Gebiete als Gebiete mit höheren Prioritäten für die Bildung erklärt und das Schulversagen massiv bekämpft werden. Dies ist nicht nur eine Bildungspolitik, sondern durch vielfältige gesellschaftliche Facetten gleicht der Bekämpfung gegen Gewalt, Spannungsfelder in den Großstädten, Arbeitslosigkeit, Familienproblematik, … usw. Nach der Einführung von ZEP wird in Frankreich jedes Jahr eine landesweite Prüfung unter Drittklässlern der école élementaire und den Erstklässlern von Collège durchgeführt. Da wird auch ZEP überprüft, wieweit sie ihre Ziele erreichen konnte. In der Regel sind die Ergebnisse von ZEP unter Durchschnitt, hier darf nicht vergessen werden, mit welchen familiären und sozialen Konflikten ZEP konfrontiert ist.

In Frankreich sind seit den 80er Jahren eine Reihe Reformen durchgeführt worden, nicht zuletzt im Schulsystem, sondern bei der Qualifizierung der Lehrer, Reform de colléges, Einführung des dualen Ausbildungsweges, und auch natürlich Reform de lycées. In der Bildungspolitik anfangs der 90er Jahren hat man versucht, die Werteschätzung der verschiedenen Abiture auszugleichen. Diese Reform hatte auch eine Individualisierung des Unterrichts, der Unterrichtsorganisation wie auch des Orientierungsprozesses mit sich gebracht. Der Unterricht wurde in kleineren Modulen unterteilt. Die Regierung Sarkozys will die Schulen mit mehr Kunst und Kultur ausrüsten. Der französische Staatschef hat die Liste seiner Wünsche bereits bekannt gegeben. Er möchte u. a., dass die Schüler in Vereine eintreten, damit sie Verantwortung übernehmen. Die Regierung will mehr Selbständigkeit und Eigenverantwortung der Schüler erreichen, deswegen wird das Mindestalter für Vereinsaktivitäten auf 16 runtergesetzt.

Grande école – „Elitäre Ausbildung“!

Kein anderes Land gibt es in Europa, das seine Elite so viel Macht und Einfluss ausüben und gleich auch die gesellschaftliche Akzeptanz geniessen kann wie in Frankreich. Grand école ist ein Ort der Ausbildung der französischen Elite, die später Staat und Wirtschaft führen wird. Vom Prestige her stehen Grandes écoles vor den Universitäten. Grandes écoles sind die Hochschulen mit einem Schwerpunkt oder einer Gruppe von Fächern.

Erneut wurden Universitäten von Napolén im Jahre 1808 in 12 Städten gegründet. Frankreich befand sich als das Land nach Revolution und Krieg ohne Universität, welche nach langen Traditionen während der Revolution geschlossen wurden, wie etwa u. a. Sorbonne. Gleichzeitig wurden spezielle Hochschulen ausgebaut, die sich darauf konzentrierten für den Staat loyale Beamte gut auszubilden. Diese Hochschulen sind Grandes écoles mit numerus clausus, deswegen hat man die Aufnahmeprüfung concours eingeführt. Die Wirtschafts- und Industriesektoren haben ihre Hochschule Écoles de commerce genauso nach Grand école aufgebaut. Im Laufe der Zeit sind diese Grandes écoles die Elitehochschulen für Frankreich geworden, im Staat, in der Wirtschaft wie auch in der Industrie. Die besten Absolventen von Grandes écoles werden den Dient des Staates wahrnehmen wollen. Grandes écoles stehen in Verbindung zu anderen Ministerien im Gegenteil der Universitäten zu Bildungsministerium, nämlich école polytechnique dem Verteidigungsministerium, die école Nationale des ponts et Chaussées dem Verkehrsministerium oder die école nationale d’ administration dem Innenministerium, écoles de commerce den Industrie- und Handelskammern.

ENA

ENA in Straßburg

Bereits werden in Grandes écoles die Beziehungen und Netzwerke aufgebaut, sie werden durch das Zugehörigkeitesgefühl intensiv verstärkt und in der Welt draußen fortgesetzt. Grandes écoles werden oft als ein funktionierendes Bildungssystem verstanden, wobei das System seine Schattenseiten hat, welche man u. a. in der französischen Elite suchen muss. Der renommierte école nationale d’ administration (ENA) ist eine von Charles de Gaulle nach dem Krieg gegründete grande école als Ausbildungsstätte der elitären französischen Verwaltungsbeamten. Französische ENA-Absolventen müssen mindestens zehn Jahre im Dienste des Staates arbeiten. Eine Reihe der Spitzenpolitiker sind die ENA-Absolventen. Scherzhaft und auch wahr kann man sagen, dass Maximilien Robespierre ein Absolvent der grand école gewesen ist. „Im Volksmund steht das Kürzel ENA nur noch für ‘Ecole Nationale d’ Archaïsmes’“. (6) Inzwischen ist ENA der Inbegriff der Inkompetenz aber Hochrangig, das Institut, das an der französischen Misere schuld hat. Die Globalisierung hat auch bei ENA Spüren hinterlassen. Inzwischen gehen die Kinder der französischen Oberschicht eher in die USA zu einer Business School mit MBA-Abschluss.  Die Idee von de Gaulle war, dass sich die Führungselite Frankreichs nicht durch Herkunft und Geld bestimmt, besonders in den Jahren nach dem Krieg. Was die französische Elite wahrscheinlich nicht wahrnehmen will, ist, dass diese Epoche schon längst zu Ende gegangen ist. ENA selbst will sich europäisieren, wieweit es dieser Elitenschule gelingt, lässt auf sich warten. In der Tat stellt niemand die Existenz der grandes écoles in Frage Ob diese Tradition im Zeitalter der Globalisierung überleben kann, vermag dieser Aufsatz nicht zu beantworten.

Seit den 80er Jahren sind immer im Bildungswesen kleine Reformen durchgeführt worden, aber in Deutschland, was Bildung betrifft, ist eher Opfer der großen Parteipolitik und leidet unter dem Reformstau. “Die Betrachtung der französischen Erfahrungen im Bereich Bildungswesen liefert interessante Diskussionselemente für die bildungspolitische Diskussion in Deutschland. Die allgemeinen Ziele der Bildungspolitik (Anhebung des Bildungsniveaus, soziale Chancengleichheit, Anpassung an den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel) sowie ein großer Teil der Herausforderungen an das Bildungssystem (Bildungsexpansion, Heterogenität der Schüler- und Studentenbevölkerung, Arbeitslosigkeit, steigende Kosten) mögen zum Teil auch für Deutschland gelten…“ (7)

Notizen:

(1) Tucholsky Kurt, Interessieren Sie sich für Kunst?, in: “Zürcher Student” Nr. 2, 1. Mai 1926.

(2) Die Schulpflicht darf nicht mit der Bildungspflicht verwechselt werden. Die Schulpflicht bezieht sich ausschließlich auf den Besuch der regulären Schule.

(3) Diese Statistik soll aktuell sein.

(4) Laizismus und Schule braucht eigene Abhandlung.

(5) Lauer, Charlotte, Bildungspolitik in Frankreich, ZEW, Discussion Paper No. 03-43. down load: ftp://ftp.zew.de/pub/zew-docs/dp/dp0343.pdf

(6) Mönninger, Michael, Das Bollwerk der Beamtenrepublik, in: DIE ZEIT, http://www.zeit.de/2006/37/ENA, 07. September 2006.

(7) Lauer, Charlotte, ebda.

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