Archiv für die Kategorie ‘Schulwesen’

Religionsunetrricht in staatlichen Schulen? (5)

Wednesday, May 12th, 2010

Was ist die Bundesrepublik Deutschland?

Nach der Anatomie dieser Begriffe soll hier untersucht werden, was die Bundesrepublik sei? Zweifelsohne ist die Bundesrepublik ein säkularer Staat, dieser Staat entstand aus republikanischen Ideen und dem föderalistischen Gedankengut.

Im Schulwesen ist aber Deutschland kein laizistischer Staat und vor der Säkularisierung macht Halt. Nun ist es berechtigt zu fragen, warum der Nachbarstaat Frankreich so radikalen Laizismus ausübt und Deutschland Meilenweise davon entfernt ist, gleichwohl auch nicht pluralistisch wie Skandinavien?

Der erste Unterschied liegt darin, dass Frankreich durch die Revolution 1789 formiert ist. Bis heute hat die Revolution nachhaltig die tiefsten Einflüsse auf Land und Menschen hinterlassen. Die Reformation hat sicherlich den Katholizismus entscheidend in Abzug aus Macht bedrängt, aber dennoch hat das Wesen der Staatsreligion nicht gemildert. In Weimarer Republik war der Geist des Laizismus präsent aber nicht entscheidend, obwohl die Trennung von Staat und Kirche in der Verfassung verankert war.

Vom Nationalsozialismus wurden der Laizismus und dessen sozialen Bewegung, also Arbeiterbewegung, zerschlagen. Nach der Beseitigung des NS-Regimes war die Kirche die einzige Organisation, die noch funktionierte. Das ist nicht zu wundern, warum es in einem hoch modernen Staat Parteien gibt, die sich mit christlichem Suffix schminken. Nicht nur diese christlichen Parteien sondern auch die Sozialdemokratie ist nach 1945 die neue politische Heimat der Gläubigen und Kirchen geworden. Das Godesberger Programm ist eine Folge davon.

Die opferreiche Niederlage im Krieg besonders in Ostfronten, die Teilung Deutschlands und der Kalte Krieg sind andere Elemente, die historisch verhindert haben, aus Deutschland ein ernsthaft laizistisches Land wird, was weder mit republikanischen Ideen noch mit Föderalismus im Widerspruch steht.

Im Grundgesetz steht im Gegensatz zu der Verfassung der Weimarer Republik keine ausdrückliche Verneinung einer Staatskirche. In keinem anderen europäischen Land ist zwischen Säkularismus und Laizismus so eine große Kluft wie in Deutschland, die Verfassung der Weimarer Republik war in dieser Hinsicht viel fortgeschrittener als derer heutigen Bundesrepublik. Die Ironie der Staatszuschüsse an die Kirchen, sowohl katholischen als auch evangelischen, dehnt sich so weiter bis die Honorierung der Unterrichtsstunden an die Kirche für die Religion in den staatlichen Schulen. Nach § 7 – Abs 2 des GG ist der Religionsunterricht ein ordentliches Fach, wobei die Eltern das Recht haben, ihre Kinder vom Religionsunterricht abzumelden, in einigen Bundesländern sollen dann an Ethikunterricht teilnehmen. In einem späteren Passus werden uns mit dem Ethikunterricht beschäftigen. Die Ergänzung zu dieser Verschmelzung von Staat und Kirche kommen weitere Möglichkeiten der Kirchen in Medien, Rundfunk, …etc. Im Grundgesetz der Bundesrepublik wird auf die „Verantwortung vor Gott“ in der Präambel aufgewiesen, das ist allerdings bedingt durch die deutsche Geschichte und ist als Folge des Nationalsozialismus und seines Absolutheitsanspruches zu verstehen.

Mit diesem Hintergrund ist das zu erwarten, dass es in Deutschland zu den heftigen Glaubenskonfrontationen kommen werden kann, denn die Verhältnisse zwischen Kirchenmitgliedern, Bevölkerung und dem Einfluss der Kirchen in den verschiedenen Lebensbereichen stimmen nicht mehr.

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Religionsunetrricht in staatlichen Schulen? (4)

Wednesday, May 12th, 2010

Moderne

Wahrlich ist eine Diskussion über die Moderne recht kompliziert. Würden wir wie der deutsche Philosoph Jürgen Habermas denken, dann ist die Moderne ein „unvollendetes Projekt“. Die Moderne steht der Tradition gegenüber und ursprünglich gegen die Antike und im politischen Sinne Ancien (Französisch: Vergangen). Die Moderne stammt aus dem Latein modernus (übersetzt: neu) mit Adverb modo (übersetzt. Eben jetzt). Später wurde im Zuge der Französischen Revolution als Gegensatz zu dem alten Regime verwendet. Die Moderne hat auch philologische Verwandtschaft mit Mode, Modernismus, Modernität  und sinnesverwandt mit dem Forschritt. In der Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte versteht man als eine ästhetische Epoche.

Über den Beginn der Moderne gibt es zahlreiche Publikationen und Streitigkeiten, besonders aus dem historischen Blickwinkel. Ohne sich in Details zu verlieren, können wir festhalten, dass im 15. Jahrhundert der westlichen Zeitrechnung die Erneuerung oder Renaissance begonnen hat. Die Renaissance kurz dargestellt, ist Wiedergeburt der Gedankengut der Antike, also die Befreiung aus der christlich-kirchlichen Dogmen. Der Protestantismus hat das religiöse Gesicht des Glaubens geändert und das religiöse Machtmonopol vom Vatikan verneint. Die Industrialisierung hat Mitte des 18. Jahrhunderts mit gravierenden ökonomischen Folgen begonnen. Am Ende des 18. Jahrhunderts war die Französische Revolution. Neue Bedeutung hat das Individuum dem Menschen verliehen, nun ist der Mensch als soziales Lebewesen ein Individuum. In der Moderne handelt der Mensch emanzipatorisch, diese Emanzipation ist gleichwohl die Befreiung wie auch Verhängnis, denken wir an die Beherrschung der Natur, wo der Mensch sich vom natürlichen Zwang befreit, verfesselt sich selbst gleich in Fortschritt. Nicht nur sind die Menschen Individuen geworden, sondern die territorialen Staaten sind Nationalstaaten geworden, die ehemaligen Einwohner in einem Territorium sind die Bürger des Staates und dieser Staat definiert sich wiederum auch über seine Bürger. Hier gibt es natürlich große Unterschiede zwischen Nationalstaaten, eine setzt aus Vorfahren und Volkszugehörigkeit, anderer auf die Bürger, die arbeiten.

Die Moderne wird von zwei Seiten angegriffen: Traditionalistisch und Postmodern. Hier möchten wir nicht uns in diese Debatte weiter vertiefen, denn unser Beitrag möchte zu dem Kern also Schulwesen kommen. Traditionalisten, wenn nicht ideologisch agieren, dann mindestens übersehen, dass die Traditionen auch durch andere Traditionen im Laufe der Menschheitsgeschichte ersetzt worden sind. Die menschliche Entwicklung setzt den Wandel in Traditionen voraus.

Auf der anderen Seite geht die Postmoderne von einer Epoche aus, die noch nicht abgeschlossen ist. Es liegt keine Anzeichen oder der Übergang zu anderen Epochen vor. Dass die Anhänger der Postmoderne eher mit der Literatur oder Kunst den beginn einer neunen Phase begründen wollen, rechtfertigt nicht diese Behauptung auch im sozialen und politischen Bereich. Man darf nicht vergessen, dass die Modernität keinen Anspruch auf die ewige Standhaltung hat, denn modern ist vergänglich. Alles was modern ist, soll nicht gut heißen, zwei große Kriege in Europa waren auch Komponenten der Moderne.

Demokratie(n)

Ein Rechtsstaat muss demokratisch sein, ohne Demokratie kann kein Rechtsstaat existieren, aber was ist die Demokratie? Welche Formen gibt es? Leben wir in einer Demokratie oder nur teilweise demokratisch? Diese Fragen scheinen sehr einfach bis zum vulgär, aber in der Tat sind solche Fragen tiefgreifend verankert in den gesellschaftlichen Formationen zu beantworten.

Demokratie besteht aus zwei griechischen Wörtern: δῆμος [dēmos] „Volk“ und κρατία [kratía], „Herrschaft“, wie etwa Volksherrschaft, in der Antike waren nur die männlichen Bürger in der griechischen Polis das Volk. Die Demokratie hat nun verschiedene Akzente angenommen, daher sprechen wir von Demokratien. In Deutschland ist die Demokratie eine Säule des Staates und der Verfassung überhaupt.

Nicht nur die Mehrheit ist die erste Eigenschaft einer möglichen Demokratie, sondern die Wahl der Staatsbürger als der Äußerungsweg dieser Bürger muss allgemein, gleich, frei und geheim sein. Die Demokratie setzt natürlich die Grundrechte, wie Meinungsfreiheit voraus. Und ein Staat ist dann demokratisch, wenn er souverän auf seinem Territorium ein Volk hat, und das Volk besteht aus Bürgern des Staates und sie haben das Recht, um die Akteure der Exekutive und Legislative zu wählen. Man könnte zum Schluss sagen, ein demokratischer Staat lässt seine Regierung ohne Nasenblutung stürzen. Die Demokratie resultiert sich aus der Annahme des Naturrechtes und den Menschenrechten. Nach der Auffassung Aristoteles ist die Demokratie diejenige Staatsform, die alle Herrscher sind, und diese Alle sind die Armen. Für Aristoteles ist die Freiheit die Grundlage der Demokratie. Mit dem Staatswesen und der Demokratie hatte sich Platon der Lehrer Aristoteles auch beschäftigt. In der Moderne wurde der Begriff Demokratie besonders von Jean-Jacques Rousseau in seinem Du contract Social vertragstheoretische Aspekten der Demokratie hervorgerufen. Bei Rousseau sind die Herrscher gleich auch die beherrschten und aus dem Gemeinwillen ergibt sich Volkssouveränität. John Locke und Charles Montesquieu betrachten den demokratischen Staat durch seine Gewaltenteilung. Die Gründung von House of Commons im 13. Jahrhundert ist die Epochemacher in der Demokratisierung, denn das Parlament wird zu einem Merkmal der Demokratie. Das erste Parlament entstand in seiner modernen Form unter dem König von Engeland Wilhelm, Bill of Rights wurde 1789 verfasst und damit Immunität, finanzielle Unabhängigkeit und das recht auf Mitgliederversammlungen ohne königliche Zustimmung für das Parlament wurden eingeräumt. Hier darf nicht außer acht gelassen werden, dass die demokratisierten Länder Europas von Eliten regiert werden, die bereits im Mittelalter dem Adeln oder Klerus oder später Grossbürgertum angehören. Diese Herkunft ist die Herausforderung unsrer Epoche gegenüber der Demokratie, denn die Demokratie hat eine Überlebenschance, solange sie finanzierbar ist. Die Weimarer Republik war die erste demokratische Staatsform auf dem Deutschen Territorium. Das Phänomen der Weimarer Republik ist schon historisch sehr wichtig, denn sie beweist, wie eine Republik sich von der Demokratie verabschiedet und weiter in der republikanischen Form ein beispielloses totalitäres Regime wird. Die Bundesrepublik Deutschland ist nicht nur eine Demokratie nach dem NS-Regime, sondern eine föderale Republik. Alle diese Eigenschaften dieser Republik formen andere Lebensbereiche, vor allem das Schulwesen.

Der Lobbyismus ist der moderne Feind der parlamentarischen Demokratie. Er ist eine Gefahr gegen die Demokratie und ebenso eine gegen das Wesen des Parlaments. Der Rückkehrschluss ist, dass die Kinder und Jugendlichen keine Lobby haben, deswegen werden ihre Interessen nicht mit Macht und Nachdruck vertreten. Die Demokratie hat verschiedene Formen, die zum Teil das Wesen der Demokratie verändern, kaum ist ein anderes politisches System so facettenreich wie die demokratisches, aber gleich wie sie gestaltet worden sind, müssen alle selben Eigenschaften, Kriterien und Funktionen haben. Oft wird die Demokratie mit Republik oder auch mit Rechtsstaat verwechselt. Im Grunde genommen wird diese Verwechselung durch die gemeinsamen Funktionen der Demokratie und Rechtsstaatlichkeit verursacht, denn Freiheit und Sicherheit der Bürger müssen erreicht und sorgfältig beaufsichtigt werden, durch Wahl und Gesetz, dennoch ist das Vertrauen in die Rechtsstaatlichkeit das Fundament für diese Funktionen. Die Demokratie an sich bedeutet keine Garantie für den Schutz der Minderheiten vor der Mehrheit, auf der anderen Seite lebt die Demokratie von Meinungsunterschieden und Vielfältigkeit der Interessen. Nicht selten wird angenommen, was rechtmäßig ist, soll auch gerecht sein und viel mehr irritierend demokratisch soll, was keineswegs der Fall ist.

Die Kritiker der Demokratie beziehen sich hauptsächlich auf die Irrationalität der unwissenden Wähler, wirtschaftlich uneffiziente Funktionalität der Demokratie. Wieweit diese Kritik der zutreffende Fall ist, ist jedoch unterschiedlich. Hier lässt sich fragen, was man an der Stelle der Demokratie installieren könnte, die Antwort ist in unserer Geschichte plausibel, ohne Demokratie führt der Weg in die Barbarei und ebenso wie die nicht finanzierbare Demokratie.

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Religionsunetrricht in staatlichen Schulen? (3)

Wednesday, May 12th, 2010

Rechtsstaat

Der Begriff Rechtsstaat ist im 19. Jahrhundert von damaligen Gesellschaftsverhältnissen geprägt worden. Robert von Mohl hat zum Gegenteil des aristokratischen Staats verwendet und später fand in einer Publikation von Otto Bähr der Rechtsstaat seine Verwendung. Der Rechtsstaat hält sich an seinen festgelegten Prinzipien und wehrt sich gegen Beliebigkeit der Machtinhaber. Der Rechtsstaat geht grundsätzlich von den objektiven Werten und derer Aufrechterhaltung. Die historische Entwicklung der U.S.amerikanischen Verfassung hat die Idee des Rechtsstaates in Europa stark beeinflusst.

Die Entwicklungsgeschichte des Rechtsstaates zeigt, dass alleine das positive Recht nicht ausreichend die Sicherheit des Rechtes vor Missbrauch garantieren kann, wie der Nationalsozialismus die Macht gerade in einem Rechtsstaat eroberte. Nach 1945 wurde die rechtsstaatliche Staatstheorie mit Menschenrechten ergänzt. (Formulierung Radbruchs)

Der moderne Rechtsstaat hat gewisse Eigenschaften, wie etwa Gewaltmonopol, Gewaltenteilung, Gesetzmäßigkeit in Exekutive und Judikative, Aufsicht und Beschränkung für den Gesetzgeber, Staatsverpflichtung für die Begründung seines Handelns, Überprüfung und Überwachung des Staates durch unabhängige Institutionen, Verhältnismäßigkeit, Verlässlichkeit in staatlichem Handeln. Ein Rechtsstaat steht zum Widerspruch eines Polizeistaates. Die Aufgabe des Staates liegt in Gewährleistung der  Sicherheit, Freiheit und des Eigentums seiner Bürger.  Der Rechtsstaat steht nicht automatisch zum Widerspruch des Sozialstaates. In der Bundesrepublik kommt der Begriff „Rechtsstaat“ in Art. 28 Abs. 1 und Art. 20 Abs. 3 GG vor. Die Grundrechte, wie Freiheit und Gleichheit, sind die unersetzbaren Bestandteile des Rechtsstaats Deutschland. Darüber hinaus ist die Unabhängigkeit der Richter und der Gerichte ein Garant für die Aufrechterhaltung des modernen Rechtsstaats. Nach der historischen Betrachtung ist die Säkularisierung die Vorstufe des Rechtsstaates gewesen.

Republik

Die Republik wird salopp als das Gegenstück der Despotie verstanden. Der Begriff Republik ist Latein, res publica und bedeutet die Sache der Öffentlichkeit und wurde in der Antike in Rom als eine Staatsform verstanden, mit dem Ziel und Aufgabe: Gemeinwesen und Gemeinwohl. In der Französischen Revolution wurde république als revolutionäre Lösung gegen Monarchie eingesetzt. Heute bezeichnen sich viele Diktaturen Republik, was mit dem Geiste der Republik kaum zu tun hat. Im Kernpunkt hat eine Republik einen gewählten Staatspräsidenten, der nach seinem Amt wiederum einen vom Volk bestimmten Nachfolger hat. Die Republik ist eigentlich eine Herrschaftsform mit eigenständigen Eigenschaften. Mit anderen Worten ist nicht jede Republik demokratisch und wird auch nicht zwingend rechtsstaatlich regiert. Die historische Entwicklung des Begriffes Republik und was man unter Republik in unterschiedlichen Epochen verstanden hat und versteht, liegt außerhalb der Absicht dieses Aufsatzes.

Die Weimarer Republik, als die erste Republik Deutschlands, verstand die Republik als ihre verpflichtende Staatsform, schon in Artikel 1 Absatz 1 liegt die republikanische Form vor. Die republikanische Idee wurde in die Staatsform der Bundesrepublik Deutschland aufgenommen, allerdings mit einem Randcharakter in Artikel 20 Abs. 1 GG: „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.“ Hier ist es zu erkennen, dass die Republik im Grundgesetz nicht explizit als Staatsform erwähnt wird, dennoch ist der Name republikanisch und zwar föderativ, diese Form Republik lässt natürlich nicht zu, dass die Mitglieder aus dem Bund einfach austreten können. Republik und Demokratie sind zwei Begriffe, die oft miteinander verwechselt werden. Sie sind nicht gleich, auch nicht Gegensätze, eher ergänzend, Republik geht von der Wahl des Volkes aus, die Demokratie vom Willen des Volkes und der vom Volk an den Staat übertragenen Gewalt. Z. B. sind Großbritannien, Dänemark, Schweden, Norwegen eine Demokratie aber keine Republik, oder umgekehrt Volksrepublik China, Syrien, Iran, Kuba sind eine Republik aber keine Demokratie.

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Religionsunetrricht in staatlichen Schulen? (2)

Wednesday, May 12th, 2010

Pluralismus

Die Länder; die in der Sache der Religion und ihres Schulwesens mehr oder weniger pluralistisch die Schule gestalten, haben i. d. R. eine Staatsreligion, etwa wie skandinavische Länder und England z. B. sind staatsreligiös protestantisch. In Niederlanden haben alle Religionen eigene Schulen, was sehr umstritten ist. In Niederlanden geht man aus dem Standpunkt der Toleranz aus, die Toleranz hat mittlerweile eigene Grenzen erricht, nach dem Mord an van Gogh.

Großbritannien ist pragmatistisch in der Religionsfrage im Schulwesen. Dort werden Morgengebete in der Schule gehalten mit der Erweiterung für andere Religionen. Der Staatsapparat ist inzwischen multikulturell geworden, denn die Unruhen Ende der 80er Jahren haben schon gelehrt, dass die Integration und Toleranz den sozialen Frieden mehr gewährleisten als Abschottung und Ausschließung.

In Österreich, bedingt durch die Geschichte der Habsburg’schen Monarchie, ist die Gesellschaft den Muslimen multikulturell und damit setzt auf den Pluralismus. Inzwischen suchen sich die Kopftuchträgerinnen aus Deutschland Ihr Exil in Österreich. Im österreichischen Schulwesen ist der Religionsunterricht ein Pflichtfach, bis jetzt haben alle Schüler, die einer anerkannten Religion zugehören, den Religionsunterricht in ihrer eigenen Glaubenrichtung bekommen. Seit 1997 können die Schüler, die keinen Religionsunterricht bekommen wollen / dürfen / können, müssen die Ethik als Ersatz nehmen. Die Kehrseite des Pluralismus ist die Diskriminierung und die fremdenfeindliche Politik, etwa die Kopftuchdebatte in allen diesen sogenannten pluralistischen Ländern.

Der Pluralismus ist theoretisch kein partikulares System und steht im Gegenzug zum Totalitarismus, vertritt eine Gesellschaftsform, in der alle Interessen und Individuen sich auf kleinstem gemeinsamem Nenner realisieren. Dieser kleinste gemeinsame Nenner ist auf Toleranz und Freiheit jedes Einzelnen basiert. In dem Kontext des Pluralismus sind die Begrifflichkeiten miteinbezogen: Freiheit, Menschenrechte, Rechtsstaat, Demokratie … etc.

In der Praxis aber wird der Pluralismus als eine Verneinung des Individuums verstanden, die westliche Philosophie in der Nachkriegszeit hat sich sehr oft mit dem Pluralismus beschäftigt, u. a. Hannah Arendt, Jürgen Habermas. Das größte Problem des Pluralismus erweist sich die Religion, mit ihrem Anspruch auf die absolute Wahrheit. Politisch gesehen ist der Pluralismus eine Herausforderung, die eine moderne Gesellschaft zu beantworten hat; in diesem Zusammenhang möchten wir untersuchen, ob wir eine pluralistische oder laizistische Schule benötigen, um unsere zeitgenössische Herausforderungen meister zu werden. Jedes Land hat seinen eigenen Werdeprozess, deswegen lässt sich nicht behaupten, dass der Pluralismus im Zusammenhang mit dem Religionsunterricht in Deutschland eher zu positivern Gesellschaftsereignissen führen kann wie in Großbritannien mit anderen Grundvoraussetzungen und historischen Gegebenheiten.

Säkularisierung

Der Ursprung der Säkularisierung liegt im Staatskirchenrecht und im Verlaufe der Geschichte hat ihre Bedeutung einige Erweiterungen gewonnen. Aus denselben Wurzeln stammen Säkularismus und Säkularisation. Der Säkularismus ist die Weltanschauung, die die Trennung von Religion und Staat verlangt. Philologisch versteht man unter säkular weltlich oder profan. Ein Staat kann daher säkular aber gleich nicht laizistisch sein. Die Bedeutung der Säkularisierung hat ihre Wurzeln im Christentum und wurde allmählich im Sinne der „Entchristlichung“, „Desakralisierung“ und „Verweltlichung“ verstanden. Später ist die Säkularisierung ein rechtlich-politischer Begriff. Die Güter und der Besitz der Kirche wurden enteignet. Die Säkularisierung wurde zu einem politischen Rechtsakt. Der im Jahre 1648 abgeschlossenen Westfälischen Frieden wurde der Prozess der Verdrängung der Kirche aus den weltlichen Lebensbereichen angestoßen. Dieser Prozess hat sich fortgesetzt, bis Napoleon zwei Jahrhunderte später die Kirche enteignet hatte. Aus rechtlich-politischem Aspekt ist diese Enteignung die Säkularisierung. Über die Säkularisierung streitet man seit Jahrhundert, zwei Fronten interpretieren Ihre Version der Säkularisation, traditionalistisch wie fortschrittlich, reaktionär wie revolutionär, aber alle beiden Fronten sind in einem Punkt einig: Ablehnung der augustinschen Reichlehre mit seinem Dualismus und die Teilung der Welt in Ewigkeit und Welt, Diesseits und Jenseits. G. W. F. Hegel stellt sein Konzept von der Verweltlichung im negativen und positiven Begriff. Der Staat behauptet sich nun der Kirche gegenüber, göttlich zu sein. Diese Verschiebung der Göttlichkeit ist eine der historischen Grundvoraussetzungen der Reformation gewesen.

Im 20. Jahrhundert hat Max Weber den Begriff Säkularisierung bedeutend beeinflusst. Max Weber hat den Säkularisierungsprozess als den okzidentalen Rationalismus und Entzauberung der Welt ausgelegt. Seine Interpretation über Säkularisierung bezieht sich auf die Weber’schen These über die Ethik des calvinistischen Protestantismus als geistige Grundlage des Kapitalismus. Max Weber analysiert die Voraussetzung des kapitalistischen Fortschritts im 19. und Anfang des 20. Jahrhundert und beschäftigt sich intensiv mit dem okzidentalen Rationalismus. Diese Entzauberung der Welt birgt in sich eine profane Weltanschauung.

Im sozial-politischen Gebiet mit Anlehnung auf der Weber’schen Soziologie wird die Säkularisierung nach drei Grundprinzipien verstanden, zum einen nach der Handlungswahl, wie etwa die Selbstbestimmung des Individuums, zum anderen nach der zunehmenden Spezialisierung durch Rollen, Status und Institutionen und zum anderen nach der Legitimation und der Anerkennung und Institutionalisierung der Veränderung [Siehe: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Bd. 8, S. 1151-1152]

Friedrich Gogarten hat den Begriff Säkularismus aus seiner theologischen Sicht geprägt. Man könnte sagen, dass die Begrifflichkeit Gogartens der Grundstein der dialektischen Theologie in der Neuzeit ist. Diese neuzeitliche Auslegung der Säkularisierung sieht in der Säkularisation, die legitimierte profane Welt, aber keinen Gegenstand der Theologie, die die Glaubenslehre als ihre Hauptaufgabe sieht. Die Säkularisierung „wird theologisch legitimiert als Funktion des Autonomieverständnisses der modernen „profanen“ Welt, die sich von der sog. christlichen Kultur emanzipiert hat: Die Befreiung der Welt, die somit „nur“ Welt sein darf, ist gleichzeitig auch Befreiung des Glaubens von der Welt. [ebda. , S. 1143)]

Die Auslegung der Säkularisierung ist ein umfangreiches Gebiet, z. B. der französische Theologe R. Mehl versteht die Säkularisierung als die soziale Befreiung von der Religion im Sinne der „Privatisierung“ der Religion.

Ob wir uns als säkularer Mensch verstehen, oder tief gläubig sind, lässt uns die Diskussion über die säkulare Welt nicht vorbei. Der gemeinsame Nenner unserer Zeit ist jedoch keine privatisierte Religion, sondern allgemein anerkannte Ethik, um uns in unserem Tun und Lassen eine friedliche Gesellschaft zu ermöglichen. Und nicht zuletzt, die Politiker aus aller Color können sich nicht in unserer Zeit hinter ihren religiös-ideologischen Interessen verstecken und aus ihrer letztendlich Privatsphäre eine entzauberte Welt zum in diesem Fall pädagogischen Fesseln zwingen.

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Religionsunetrricht in staatlichen Schulen? (1)

Monday, May 10th, 2010

„Manche Maler machen aus der Sonne einen gelben Punkt.

Andere machen aus einem gelben Punkt eine Sonne.“

Pablo Picasso

In keinem anderen Lebensbereich reflektieren sich gleichzeitig so viele Elemente aus dem gesellschaftlichen Kontext, der praktizierenden Staatstheorie, wie auch mit Wirtschaftsinteressen, wie im Schulwesen. Es wäre naiv, wenn wir in der Untersuchung des Schulsystems und der Zulässigkeit des Religionsunterrichts nur aus einem religiös-ideologischen Aspekt die Schule erforschen. Hier scheint erforderlich zu sein, zunächst einen Exkurs in die Begrifflichkeiten vorzunehmen. Vor allem ist es wichtig vor Augen zu halten, dass die Missstände im Schulwesen den Charakter des Dominoeffektes erreicht haben. Wenn die Frage des Religionsunterrichts beantwortet ist, dann ist erst der Beginn einer strukturellen Veränderung der staatlichen Schule überhaupt.

Laizismus

Der Laizismus ist ein staatlich-rechtliches Modell, in dem der Staat und die Religion streng voneinander getrennt sind, d. h. in staatlichen Einrichtungen und Institutionen keinen religiösen Einfluss ausgeübt werden darf.

Dieser Begriff kommt vom griechischen λαϊκισμός mit der Bedeutung „nicht-geistliche“, also Laie. Der Laizismus wurde vom französischen Pädagogen Ferdinand Buisson geprägt. Im Jahre 1946 wurde das Prinzip der laïcité in die Verfassung aufgenommen. Seitdem ist die Republik Frankreichs gesetzmäßig république laïque. Der Laizismus ist eine prozessartige Entwicklung gewesen. Im Jahre 1804 wurde Code Civil von Napoléon Bonaparte verkündet. In dieser Zeit wurden einige Gebiete von der Kirche auf den Staat übertragen, wie etwa Standesamt, Eheschließung, Ausbildung an Universitäten, gleich wird die Religion als legitim vom Staat anerkannt. Ab 1808 sieht der Staat unter dem Napoléon alle Religionen gleich bzw. gleichgültig, so eine pluralistische Interpretation des Glaubens in der Gesellschaft. Nach der Dreyfuss-Affäre und aufgrund der Grundeinstellung der katholischen Kirche, besonders ihres Antisemitismus, hat sich der Staat von der katholischen Kirche befreit und aus dem Prinzip der Neutralität wurden alle Religionen gleichermaßen gesetzlich aus dem Staat entfernt. In dieser Zeit wurde das Schulwesen konfessionsfrei neu gestaltet. Am 9 Dezember 1905 wurde das Gesetz über die Trennung von Kirche und Staat verabschiedet und die Kirchenangehörigen durften nicht mehr unterrichten. Die Religion wurde vor allem zur Übernahme ihrer Rolle als private Sache geführt. Die Schule ist der zentrale Ort des Laizismus geworden, auch im laizistischen Prozess wie heute. Historisch hat das Kreuz in der Schule schon eine wichtige Rolle gespielt, denn im laizistischen Prozess wurde das Kreuz als Allegorie der bis dahin herrschenden Religion aus den Schulen entfernt, ebenso wie die Lerninhalte und Lernbücher. In den 1880er Jahren sind die Schulen in Frankreich fundamental laizistisch umorganisiert. Statt dem katholischen Religionsunterricht wurde Moral unterrichtet. In dieser Epoche hat Jules Ferry der französische Bildungsminister eine entscheidende Rolle gespielt. Bei der Entwicklung des Begriffes gab es wohl Uneinstimmigkeiten, aber heute alles was nicht religiös ist und mit der Gesellschaft zu tun hat, ist laïque. Die politische Ergänzung zum Laizismus, die logisch erschient, ist die Neutralität des Staates allen Religionen gegenüber. Der Staat ist weder einer Religion noch ihrem Klerus verpflichtet. Historisch-philosophisch gesehen ist der Laizismus die logische Folge der Kant’schen Philosophie. Der Staat verbindet die Menschen in einer Einheit und ist allen seinen Bürgern gleich und neutral. Diese verbindende Einheit ist die Ausbildung, welche einen pluralistischen Charakter hat. Der Laizismus muss gleich das Recht der Individuen anerkennen, wenn sie in privaten Sphären religiös wie auch aus sozialen Gründen anders leben und erleben möchten. Der Laizismus ist im Grunde genommen eine zivile Herausforderung, die seit der Französischen Revolution aufgestellt worden ist. Die Idee der Republik kann nicht ohne Existenz des laizistischen Staatsapparats verwirklicht werden. Der Laizismus als Herausforderung stellt sich Europa gegenüber, denn wie tiefgreifend laizistisch sollen eigentlich die europäische einheitliche Verfassung und die daraus resultierenden Gesetze sein?

Frankreich hat verfassungsgemäß 1905 das Gesetzt zur Trennung von Kirche und Staat Loi sur la séparation des églises et de l’état unter Minister Combes verabschiedet. Das Gesetzt ist bekannt als Loi Combes.

Loi Combes

Der andere Staat der EU, der sich laizistisch orientiert, ist Portugal. Alle anderen europäischen Staaten bekennen sich nicht explizit zum Laizismus aber dennoch führen  mit unterschiedlicher Art und Weise die Trennung von Staat und Religion durch, und damit wird versucht die Neutralität des Staates den verschiedenen Weltanschauungen zu gewährleisten. Hier muss von einem säkularen Staat aber nicht einem laizistischen gesprochen werden, denn ein säkularer Staat hält sich von der Zugehörigkeit einer Religion fern, der laizistische Staat findet sich keiner Religion verpflichtet und allen Religionen ihrer Bürger ist neutral.

Der Laizismus in Frankreich, als Geburtsort, hat zwei Akzente, einmal wird der Laizismus als institutionelle Trennung Staat und Kirche verstanden, andermal als strenge und radikalisierte Form, ein Verbot der religiösen Aktivitäten außer im sehr privaten Umfeld. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil akzeptiert das Papsttum zwar den Laizismus und propagiert nicht mehr für eine Staatsreligion aber hat nicht den Laizismus anerkannt, da der Vatikan ein ideologisches Problem hat. Der Vatikan kann nicht auf einer Seite die geistige Autorität des Papstes an der Stelle aller weltlichen Autoritäten hervorheben, auf der anderen Seite staatliche Gewalt in allen ihren Formen akzeptieren. Der französische Laizismus ist ein Bestandteil der Staatstheorie, die Neutralität des Staates allen Religionen gegenüber, derer Gleichbehandlung und ihre Freiheit als Grundprinzipien hat, noch mehr ist der Laizismus ein Fundament der französischen Verfassung. Daraus resultiert es sich, dass die Religion weder staatliche noch öffentliche Rolle spielt. Hier ist auch zu berücksichtigen, dass 1905 gesamtes Vermögen der Kirche verstaatlicht wurde. Der französische Staat mit Ausnahme Elsass und Département Moselle erkennt die Existenz der Organisation der Kirche, aber gibt es weder Zuschüsse noch Unterstützung, nur steuerliche Begünstigungen. Beim Militär gibt es katholische, protestantische, jüdische und seit 2005 auch islamische Seelsorge. Dennoch wird die Religion als Privatsache betrachtet und daher liegt auch keine Statistik über die Glaubenszugehörigkeit in Frankreich. Aus den öffentlichen Schulen ist die Religion ganz entfernt worden, hier bildet „enseignement catholique“ die Ausnahme. In Frankreich sind jegliche Religionssymbole in der Schule untersagt: Kreuz, Turban der Sikhs, Kippa, Kopftuch oder klerikale Tracht. Dennoch werden in zwei Radiosender sonntags Gottesdienste übertragen. Seit Nicolas Sarkozy der Staatpräsident ist, versucht dieser den Laizismus neu zu definieren. Damit versucht Sarkozy den Laizismus zu instrumentalisieren, um gegen den Fundamentalismus vorzugehen. Diese Position Sarkozys ist in Frankreich sehr umstritten. In Deutschland wünschen sich die Katholiken den Laizismus zu instrumentalisieren, um gegen den Fundamentalismus vorzugehen. Diese Position Sarkozys ist in Frankreich sehr umstritten. In Deutschland wünschen sich die Katholiken den Zusammenbruch des Laizismus Frankreichs als Symbol des Scheiterns der „Grand Nation“, denn Frankreich ist nicht nur laizistisch, säkular sondern das größte katholische Land Europas.

Nach dem französischen Vorbild des Laizismus sind die Vernunft und die Werte der Revolution maßgebend und nicht der Glaube. Die strikt laizistische Praxis in Frankreich stellt die religiöse Abstinenz dar, aus diesem theoretischen Kontext haben 1989 drei Schülerinnen mit Kopftuch den Schulverweis bekommen. Der Streit um Kopftuch in der Schule ist an sich ein separates Thema, das in einem eigenständigen Beitrag untersucht werden muss.

Andere europäische Länder vertreten in ihren Staatsformen weniger laizistische Gestalt, sie sind entweder verbunden mit einer Religion, wie etwa Bayern oder Italien oder setzen auf den religiösen und kulturellen Pluralismus, wie Großbritannien.

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