Religionsunetrricht in staatlichen Schulen? (2)

Pluralismus

Die Länder; die in der Sache der Religion und ihres Schulwesens mehr oder weniger pluralistisch die Schule gestalten, haben i. d. R. eine Staatsreligion, etwa wie skandinavische Länder und England z. B. sind staatsreligiös protestantisch. In Niederlanden haben alle Religionen eigene Schulen, was sehr umstritten ist. In Niederlanden geht man aus dem Standpunkt der Toleranz aus, die Toleranz hat mittlerweile eigene Grenzen erricht, nach dem Mord an van Gogh.

Großbritannien ist pragmatistisch in der Religionsfrage im Schulwesen. Dort werden Morgengebete in der Schule gehalten mit der Erweiterung für andere Religionen. Der Staatsapparat ist inzwischen multikulturell geworden, denn die Unruhen Ende der 80er Jahren haben schon gelehrt, dass die Integration und Toleranz den sozialen Frieden mehr gewährleisten als Abschottung und Ausschließung.

In Österreich, bedingt durch die Geschichte der Habsburg’schen Monarchie, ist die Gesellschaft den Muslimen multikulturell und damit setzt auf den Pluralismus. Inzwischen suchen sich die Kopftuchträgerinnen aus Deutschland Ihr Exil in Österreich. Im österreichischen Schulwesen ist der Religionsunterricht ein Pflichtfach, bis jetzt haben alle Schüler, die einer anerkannten Religion zugehören, den Religionsunterricht in ihrer eigenen Glaubenrichtung bekommen. Seit 1997 können die Schüler, die keinen Religionsunterricht bekommen wollen / dürfen / können, müssen die Ethik als Ersatz nehmen. Die Kehrseite des Pluralismus ist die Diskriminierung und die fremdenfeindliche Politik, etwa die Kopftuchdebatte in allen diesen sogenannten pluralistischen Ländern.

Der Pluralismus ist theoretisch kein partikulares System und steht im Gegenzug zum Totalitarismus, vertritt eine Gesellschaftsform, in der alle Interessen und Individuen sich auf kleinstem gemeinsamem Nenner realisieren. Dieser kleinste gemeinsame Nenner ist auf Toleranz und Freiheit jedes Einzelnen basiert. In dem Kontext des Pluralismus sind die Begrifflichkeiten miteinbezogen: Freiheit, Menschenrechte, Rechtsstaat, Demokratie … etc.

In der Praxis aber wird der Pluralismus als eine Verneinung des Individuums verstanden, die westliche Philosophie in der Nachkriegszeit hat sich sehr oft mit dem Pluralismus beschäftigt, u. a. Hannah Arendt, Jürgen Habermas. Das größte Problem des Pluralismus erweist sich die Religion, mit ihrem Anspruch auf die absolute Wahrheit. Politisch gesehen ist der Pluralismus eine Herausforderung, die eine moderne Gesellschaft zu beantworten hat; in diesem Zusammenhang möchten wir untersuchen, ob wir eine pluralistische oder laizistische Schule benötigen, um unsere zeitgenössische Herausforderungen meister zu werden. Jedes Land hat seinen eigenen Werdeprozess, deswegen lässt sich nicht behaupten, dass der Pluralismus im Zusammenhang mit dem Religionsunterricht in Deutschland eher zu positivern Gesellschaftsereignissen führen kann wie in Großbritannien mit anderen Grundvoraussetzungen und historischen Gegebenheiten.

Säkularisierung

Der Ursprung der Säkularisierung liegt im Staatskirchenrecht und im Verlaufe der Geschichte hat ihre Bedeutung einige Erweiterungen gewonnen. Aus denselben Wurzeln stammen Säkularismus und Säkularisation. Der Säkularismus ist die Weltanschauung, die die Trennung von Religion und Staat verlangt. Philologisch versteht man unter säkular weltlich oder profan. Ein Staat kann daher säkular aber gleich nicht laizistisch sein. Die Bedeutung der Säkularisierung hat ihre Wurzeln im Christentum und wurde allmählich im Sinne der „Entchristlichung“, „Desakralisierung“ und „Verweltlichung“ verstanden. Später ist die Säkularisierung ein rechtlich-politischer Begriff. Die Güter und der Besitz der Kirche wurden enteignet. Die Säkularisierung wurde zu einem politischen Rechtsakt. Der im Jahre 1648 abgeschlossenen Westfälischen Frieden wurde der Prozess der Verdrängung der Kirche aus den weltlichen Lebensbereichen angestoßen. Dieser Prozess hat sich fortgesetzt, bis Napoleon zwei Jahrhunderte später die Kirche enteignet hatte. Aus rechtlich-politischem Aspekt ist diese Enteignung die Säkularisierung. Über die Säkularisierung streitet man seit Jahrhundert, zwei Fronten interpretieren Ihre Version der Säkularisation, traditionalistisch wie fortschrittlich, reaktionär wie revolutionär, aber alle beiden Fronten sind in einem Punkt einig: Ablehnung der augustinschen Reichlehre mit seinem Dualismus und die Teilung der Welt in Ewigkeit und Welt, Diesseits und Jenseits. G. W. F. Hegel stellt sein Konzept von der Verweltlichung im negativen und positiven Begriff. Der Staat behauptet sich nun der Kirche gegenüber, göttlich zu sein. Diese Verschiebung der Göttlichkeit ist eine der historischen Grundvoraussetzungen der Reformation gewesen.

Im 20. Jahrhundert hat Max Weber den Begriff Säkularisierung bedeutend beeinflusst. Max Weber hat den Säkularisierungsprozess als den okzidentalen Rationalismus und Entzauberung der Welt ausgelegt. Seine Interpretation über Säkularisierung bezieht sich auf die Weber’schen These über die Ethik des calvinistischen Protestantismus als geistige Grundlage des Kapitalismus. Max Weber analysiert die Voraussetzung des kapitalistischen Fortschritts im 19. und Anfang des 20. Jahrhundert und beschäftigt sich intensiv mit dem okzidentalen Rationalismus. Diese Entzauberung der Welt birgt in sich eine profane Weltanschauung.

Im sozial-politischen Gebiet mit Anlehnung auf der Weber’schen Soziologie wird die Säkularisierung nach drei Grundprinzipien verstanden, zum einen nach der Handlungswahl, wie etwa die Selbstbestimmung des Individuums, zum anderen nach der zunehmenden Spezialisierung durch Rollen, Status und Institutionen und zum anderen nach der Legitimation und der Anerkennung und Institutionalisierung der Veränderung [Siehe: Historisches Wörterbuch der Philosophie, Bd. 8, S. 1151-1152]

Friedrich Gogarten hat den Begriff Säkularismus aus seiner theologischen Sicht geprägt. Man könnte sagen, dass die Begrifflichkeit Gogartens der Grundstein der dialektischen Theologie in der Neuzeit ist. Diese neuzeitliche Auslegung der Säkularisierung sieht in der Säkularisation, die legitimierte profane Welt, aber keinen Gegenstand der Theologie, die die Glaubenslehre als ihre Hauptaufgabe sieht. Die Säkularisierung „wird theologisch legitimiert als Funktion des Autonomieverständnisses der modernen „profanen“ Welt, die sich von der sog. christlichen Kultur emanzipiert hat: Die Befreiung der Welt, die somit „nur“ Welt sein darf, ist gleichzeitig auch Befreiung des Glaubens von der Welt. [ebda. , S. 1143)]

Die Auslegung der Säkularisierung ist ein umfangreiches Gebiet, z. B. der französische Theologe R. Mehl versteht die Säkularisierung als die soziale Befreiung von der Religion im Sinne der „Privatisierung“ der Religion.

Ob wir uns als säkularer Mensch verstehen, oder tief gläubig sind, lässt uns die Diskussion über die säkulare Welt nicht vorbei. Der gemeinsame Nenner unserer Zeit ist jedoch keine privatisierte Religion, sondern allgemein anerkannte Ethik, um uns in unserem Tun und Lassen eine friedliche Gesellschaft zu ermöglichen. Und nicht zuletzt, die Politiker aus aller Color können sich nicht in unserer Zeit hinter ihren religiös-ideologischen Interessen verstecken und aus ihrer letztendlich Privatsphäre eine entzauberte Welt zum in diesem Fall pädagogischen Fesseln zwingen.

(…. weiter)

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